Genossenschaftswohnung als Zuhause – eine lohnende Alternative?

Die Genossenschaftswohnung wird als zahlbarer Wohnraum angepriesen, die Nachfrage ist deutlich grösser als das bestehende Angebot.

Die ersten Wohnbaugenossenschaften entstanden im Zuge der Industrialisierung und als Folge der schlechten Wohnbedingungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach den beiden Weltkriegen war die Wohnungsnot so gross, dass Bund und Kantone, aber auch einzelne Städte eine aktive Wohnbauförderung betrieben und vermehrt Wohnbaugenossenschaften gegründet wurden.

Zahlreiche Wohnbaugenossenschaften in der Schweiz gelten als gemeinnützig. Ihr sozialer Zweck besteht darin, der Bevölkerung bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dabei steht nicht das Bedürfnis einer einzelnen Person im Mittelpunkt, sondern die Gemeinschaft. Die Nachbarschaft geniesst einen viel höheren Stellenwert, als das bei üblichen, oft anonymen Mehrfamilienhäusern oder Überbauungen der Fall ist.


Entwicklungen im schweizerischen Wohnungsmarkt entgegentreten

Zwischen 1970 und 2000 war die Zahl der Wohnungen rasant von zwei auf drei Millionen Einheiten angestiegen, wobei das grösste Wachstum bei den 4- und 5-Zimmerwohnungen zu verzeichnen war. Dass eine 3-Zimmerwohnung von einer Familie bewohnt wird, ist heute beinahe undenkbar – vor 50 Jahren war das üblich. Zwischenzeitlich ist nicht nur die Anzahl Personen pro Wohnung markant gesunken. Jeder einzelne Bewohner beansprucht darüber hinaus weit mehr Platz für sich und seine Hobbies, als das noch in den 70er-Jahren der Fall war.

Mit dem Bau von Genossenschaftswohnungen sollte diesem Trend hin zur «Verschwendung» von Raum fürs Wohnen entgegengewirkt werden. Genossenschaftswohnungen werden in aller Regel in verdichteter Bauweise realisiert. Die Bewohner brauchen durchschnittlich 15 Prozent weniger Wohnfläche als Mieter und 30 Prozent weniger als Hauseigentümer. In den meisten Fällen gibt es Vorschriften für eine minimale Wohnungsbelegung.


Wer kann in eine Genossenschaftswohnung einziehen?

Im Ursprung standen Genossenschaftswohnungen meist nur für ältere Leute oder spezifische Berufsgruppen (z. B. Eisenbahner) zur Verfügung. Heute stehen sie grundsätzlich einer breiten Bevölkerung offen. Die Wohnbaugenossenschaften entscheiden selbst, wer in ihren Wohnungen wohnen darf. Meist achten sie auf eine gute Durchmischung der Bewohnerschaft, wobei Familien, wirtschaftlich schwächere Haushalte oder ältere Menschen regelmässig bevorzugt werden.

Über die Bereitstellung von Wohnraum hinaus bieten die allermeisten Wohnbaugenossenschaften zusätzliche Leistungen an. Angefangen von Gemeinschaftsräumen oder gemeinschaftlichen Aktivitäten über Mittagstische, Nachbarschaftshilfe oder Krankenbesuche bis hin zu finanzieller Hilfe in Notlagen ist die Bandbreite sehr gross. In grösseren Genossenschaftssiedlungen stehen gar eigene Kindertagesstätten, Kindergärten oder Pflegewohnungen zur Verfügung.

Die Bewohner werden zudem eingeladen, in genossenschaftseigenen Kommissionen oder Vereinen mitzuarbeiten, um das Zusammenleben aktiv mitzugestalten. Viele Wohnbaugenossenschaften publizieren ihre eigene Zeitschrift, mit welcher die Bewohner über Aktuelles informiert werden.


Weshalb sind Genossenschaftswohnungen preiswert?

Das primäre Ziel von Wohnbaugenossenschaften besteht darin, die Wohnungen kostendeckend, aber trotzdem für einkommensschwache Zielgruppen erschwinglich zur Verfügung zu stellen. Der Mietzins für eine Genossenschaftswohnung liegt in aller Regel um zehn bis zwanzig Prozent unter der Marktmiete für vergleichbare Objekte.

Ein grosser Teil der Genossenschaftswohnungen ist mit Hilfe der öffentlichen Hand entstanden. Ein spekulativer Verkauf der Liegenschaften ist daher ausgeschlossen. Ebenso kann den Bewohnern zumeist nur eingeschränkt gekündigt werden.

Die Mieter ihrerseits beteiligen sich mit der Zeichnung von Anteilscheinen am Genossenschaftskapital. Abhängig von der Objektgrösse, der Lage oder weiteren mit dem Wohnungsangebot verbundenen Leistungen beläuft sich die Beteiligung auf wenige tausend bis mehrere zehntausend Franken. Aufgrund der gemeinnützigen Orientierung wird auch dieses Kapital nur beschränkt verzinst. Im aktuellen Tiefzinsumfeld ist es dennoch eine spannende Alternative zum üblichen Sparkonto bei einer Bank.

Das Wohnen in einer Genossenschaft gilt daher als Mischform zwischen Miete und Eigentum. Die Mitglieder kaufen nicht direkt ihre Wohnung, sind durch ihr Anteilscheinkapital aber Miteigentümer und verfügen über entsprechende Mitspracherechte, verbunden mit einer hohen Wohnsicherheit aufgrund des eingeschränkten Kündigungsrechts.

Obwohl das genossenschaftliche Wohnen viele Vorzüge bietet, werden in der Schweiz nur etwa fünf Prozent der Wohnungen von gemeinnützigen Eigentümern zur Verfügung gestellt. Hauptgrund dafür sind insbesondere die hohen Baulandpreise, die nach der Erstellung des Bauwerks eine Vermietung zu Selbstkosten nahezu verunmöglichen.

So ist es heute gar nicht so einfach, überhaupt eine Genossenschaftswohnung zu finden. Viele Genossenschaften führen nicht einmal mehr eine Warteliste – die wenigen freiwerdenden Einheiten gehen «unter der Hand» bzw. im Umfeld der Bewohner weg. Die besten Aussichten bieten sich im Rahmen grösserer Neubauprojekte mit vielen neuen Wohnungen, die zur Vermietung angeboten werden. Doch auch hier gilt: Je früher man sich anmeldet, desto eher hat man eine Chance auf eine Zusage.


Spannende Links



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HypoguideGünstige Alternative zur Hypothek? Genossenschaftswohnungen
NZZGenossenschaftliches Wohnen in der Schweiz – was man darüber wissen muss
SRFGenossenschaftswohnungen: Grosser Run, kleine Chancen
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