Nachbarschaftsrecht – wer muss das Laub entfernen?

Wenn die Herbststürme über das Land fegen, bleibt da und dort Laub liegen. Nicht nur das aus dem eigenen Garten.

Im Spätsommer beginnen sich Bäume und Wälder zu verfärben, die bunte Farbenpracht erfreut das Gemüt vieler Menschen. Leuchtendes Gelb und Orange, kräftiges Rot, das in vielfältige Brauntöne übergeht, verleihen der Natur ein ganz besonderes Gesicht. In aller Regel sorgen heftige Winde dafür, dass das Laub früher oder später in grossen Mengen zu Boden fällt. Dann ist es vielerorts vorbei mit der Freude. Anstatt durch Wälder zu streifen, dem Rascheln der Blätter zu lauschen und in Kindheitserinnerungen zu schwelgen, verkommt das welke Blattwerk zum Ärgernis und verursacht nicht selten einen Nachbarschaftsstreit.


Laub vom Nachbarsgarten – wer räumt auf?

So taucht die Frage jeden Herbst von Neuem auf: Wer muss das Laub aus meinem Garten entfernen?

Eins vorneweg: Dass das Laub von Bäumen zu Boden fällt, ist ein gewöhnliches Naturereignis. Bevor man sich also deswegen mit dem Nachbarn verkracht, könnte man es positiv sehen. Laub zusammenzutragen ist glücklicherweise nicht die schwerste Arbeit. Zudem kann es mit dem Rasenmäher mühelos zerkleinert und als Humus verwendet werden. Überdies lassen sich mit grossen, bunten Blättern auch tolle Herbstdekorationen gestalten, die das eigene Zuhause zum Leuchten bringen.


So präsentiert sich die Gesetzeslage

Das schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB) enthält keinen eigentlichen Artikel betreffend das Laub aus dem Nachbarsgarten. In Art. 684 ff. sind jedoch verschiedene Aspekte aus dem Nachbarrecht geregelt, so zum Beispiel Bepflanzungen, Wasserablauf bzw. Entwässerungen, Durchleitungen, Wegrechte oder Einfriedigungen (Umzäunungen).

Demnach ist «jedermann verpflichtet, sich bei der Ausübung seines Eigentums aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten». Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Luftvereinigung, üblen Geruch, Lärm, Schall, Erschütterung, Strahlung oder durch den Entzug von Besonnung oder Tageslicht.

Und worunter fällt nun der übermässige Anfall von Blattwerk?

Das gesetzliche Verbot umfasst nur übermässige oder schädigende Immissionen. Ob eine solche im Einzelfall vorliegt, muss nach objektiven Kriterien beurteilt werden. Es genügt nicht, dass man sich aus dem persönlichen subjektiven Blickwinkel daran stört. Beurteilungskriterien sind die Lage und Beschaffenheit der Grundstücke, der Ortsgebrauch sowie das objektive Empfinden eines Durchschnittsmenschen.

Weil diese Bestimmungen sehr vage sind, bleibt es den Kantonen überlassen, im Einführungsgesetz zum Zivilgesetzbuch ergänzende bzw. präzisierende Bestimmungen zu erlassen. Die Regelung von Kanton zu Kanton kann daher sehr unterschiedlich sein.


Grundsätzlich dulden und selbst entfernen

Soweit eine Immission auf ein anderes Grundstück nicht übermässig ist, hat der Nachbar die Einwirkung zu dulden – also auch das Laub, das von Nachbars Baum auf dem eigenen Grundstück liegen bleibt.

Nur wenn das Laubwerk tatsächlich einen Schaden verursacht, kann der Geschädigte verlangen, das der Nachbar das Laub selbst entfernt oder die Kosten dafür trägt. Beispielsweise dann, wenn durch das Laub regelmässig Dachrinnen oder Wasserabflussrohre verstopft werden.

Grundsätzlich sollten nachbarschaftliche Beziehungen durch gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme geprägt sein. Vielleicht gelingt es gar, das Laub und allenfalls weitere Gartenarbeiten wie den Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern gemeinsam zu erledigen. Ein gutes Gespräch löst viele vermeintliche Probleme. Oft ist sich die eine oder andere Partei gar nicht bewusst, dass sich das Gegenüber an einem Sachverhalt stört.

Kommt trotz allem keine Lösung zustande, kann eine Mediation Abhilfe schaffen. Letztlich steht allen Beteiligten die Möglichkeit zur Klage nach Art. 679 ZGB offen.


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